Wie verwende ich eine Wahlkampf-Landingpage? 10 einfache Tipps.

Ich arbeite für eine Agentur für strategische Kommunikation. Über die Jahre haben wir einige Wahlkämpfe begleitet und mussten immer wieder feststellen, dass es zwar ein corporate blog, eine Landingpage oder einen öffentlichkeitsbeschränkten Bereich gibt, die Wahlkämpfenden oder die Kandidierenden diese Möglichkeit aber nicht richtig nutzen. Mal davon abgesehen, dass ich keinen Wahlkampf für die CDU mache und auch nie machen würde wäre http://www.andrea-milz.de ’s Homepage eine Stilblüte, wie man eine CI so richtig schön versauen kann.

Darum sind hier 10 einfache Tipps, wie man es richtig macht:
1. Filtern
Nur die Inhalte heraussuchen, die für einen selbst auch relevant sind. Wenn ich eine Facebook-Seite habe brauche ich keine Anleitung zum Bau einer solchen. Das spart euch Zeit und den Verantwortlichen Traffic. Auch brauche ich mir kein Design zur Landtagswahl herunterladen, wenn ich für die Europawahl werben möchte.
2. Sich auf Standards einlassen
Im Wahlkampf steht immer ein Pool an Designs zur Verfügung, an die man sich einfach zu halten hat, ganz egal, ob man ihn hübsch findet oder nicht. Denn Gift für einen Wahlkampf ist es, wenn man nicht einheitlich auftritt, das fängt bei den Themen an und hört nun mal beim Design auf. Darum: ladet euch die Schriften runter, die sind meistens auf Google Fonts ziemlich problemlos zu haben. Sucht euch die Farben heraus – und bleibt dabei. Haltet die Pixel-Maße ein, das ist via Gimp einfach und via Photoshop noch viel einfacher. (Tipp: den sehr alten, aber trotzdem hübschen Adobe Photoshop CS2 will Adobe offensichtlich loswerden und bietet ihn kostenlos in der Vollversion an)
3. RGB kennenlernen
RGB (Rot / Grün / Blau) ist der einfachste aller Farbräume, mit dem man jede Farbe darstellen kann. In jeder CI wird in diesem Schema (z.B. das SPD für Europa-Blau hat R 10, G 104, B 191) die verwendete Farbe angeboten. Benutzt das. Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob das richtig ist hat Adobe das Freeware-Tool Kuler auf dem Markt, mit dem man jede Farbe analysieren kann.
4. Up to Date bleiben
Wahlkampf ist Strategie par excellence. Darum werden nicht an Tag 1 alle Inhalte online stehen, die Partei stellt das nach und nach auf die Homepage. Darum gelegentlich mal nachsehen, ob es was neues gibt, Newsletter nicht gleich löschen sondern sich fünf Minuten Zeit nehmen und durchlesen und, wenn es geht, sich einen RSS-Feed einrichten (bei Firefox geht das so) oder das Blog abonnieren.
5. Transformieren
Alles, was die Partei anbietet, sind allgemeine Inhaltspakete, die für das ganze Land Geltung haben. Das zu benutzen ist gut, so richtig professionell wird es dann, wenn man diese allgemeinen Inhalte lokal anwendet. Wenn also die SPD einen Agumentationsfaden „Mieten sind zu hoch“ online stellt ist es gut, sich die CI zu schnappen und eine Kachel „In Botnang kann sich eine Dreiköpfige Familie die Wohnung nicht mehr leisten“ zu bauen.
6. Rechte wahren
Was auf der Landingpage steht könnt ihr verwenden und müsst nicht angeben, dass Urheber die SPD ist, wenn ihr Kandidierende seid oder in irgendeinem SPD-Zusammenhang zur Wahl steht. Dafür haben die Verantwortlichen gesorgt. Wenn ihr aber andere Materialien verwendet, achtet auf die Urheberrechte. Indiz ist dafür die Verwendung der CC (Creative Commons)-Lizenz, die z.B. Wikipedia oder in Teilen Flickr benutzt. Hier in diesem Blog gibt es dazu aber auch ein Tutorial. Grundsätzlich gilt: im Zweifel das Bild nicht verwenden! Spart euch und der Partei viel juristischen Stress.
7. Vertrauen
„Das ist doch Quark, das kann ich alleine besser“ sagt man beim Wahlkampf gerne, richtig? Falsch. Hinter einer jeden Kampagne stecken Profis, die was von ihrem Geschäft verstehen und sich eine Strategie überlegt haben. Wenn jetzt jeder etwas anderes macht ist diese Strategie hinfällig. Also: auch wenn es auf den ersten Blick unsinnig erscheint, einfach mal umsetzen. Das spart euch Arbeit und bringt einen fantastischen Wahlkampf. Denn die Macher und die Umsetzer eint: wir wollen, dass die Partei die Wahl gewinnt. Wir arbeiten beide extrem hart dafür, machen Nächte durch und lassen uns von BürgerInnen auf der Straße blöd anmachen. Darum ist Vertrauen so wichtig. Wenn wir vereint dastehen bieten wir wenig Angriffsfläche. Das gilt inhaltlich und personell, aber auch für das Wahlkampfdesign.
8. Zeiten beachten
Oft haben Inhalte eine zeitliche Beschränkung, es gibt also Themenwochen, in denen der Fokus auf einem bestimmten Punkt liegt. Die darf man natürlich nicht verschlafen, wenn die Partei schon so nett ist, und das vorher ankündigt. Oft steht irgendwo ein Ablaufplan oder ein Kalender. Sucht euch den raus und kringelt das rot in eurem Kalender an.
9. Kritisieren
Niemand ist perfekt (außer Frank Stauss‘ Kampagnen). Wenn euch also etwas auffällt, was man besser machen könnte, sagt den Verantwortlichen das. Was gilt ist: ‚In dem Textelement ist ein Fehler, die Mieten steigen eigentlich um 60% und nicht um 6%‘. Was nicht gilt: ‚Das Blau ist hässlich‘.
10. Das Zeug auch umsetzen
Bitte, wäre nett.

CCrasse Sache: Bilder für umsonst?

Oft gelesen, selten erklärt: die Creative Commons Lizenz ist eine geniale Erfindung zur öffnenden Legalisierung geistigen Eigentums. Doch was darf man nutzen, was nicht? Und was muss man beachten?

Falsch kann man vieles machen. Es beginnt damit, dass man die Lizenz nicht richtig beachtet, gegen falsch benannte Lizenzen gab es im Jahr einige Klagen, die erfolgreich waren. Oder man stellt von Urheberseite die Lizenz falsch ein, wovor spätestens dieser Fall warnen sollte. Creative Commons sind kein Freifahrtschein. Wenn man ein Bild, das man nicht selbst gemacht hat, veröffentlicht, muss klar sein, dass andere Rechteinhaber Ansprüche gegen einen haben. 2001 in Harvard initiiert wurden die ersten Lizenzen veröffentlicht, unter welchen Urheber Inhalte veröffentlichen können. Alle gängigen Lizenzen sind in Deutschland in bestimmten Formen seit 2004 legitimiert und richterlich bestätigt.

Eine Creative Commons-Lizenz setzt sich aus  mehreren Bestandteilen zusammen. Das „CC“ zu Beginn einer jeden weist sie als Lizenz aus, was danach folgt beschreibt, was man als User beachten muss:

Lizenzname Das darf man Das muss man
BY Das Bild bearbeiten und teilen Den Urheber nennen, die Lizenz benennen und die Änderungen kennzeichnen.
BY-SA Das Bild bearbeiten und teilen Alle Erfordernisse der BY-Lizenz sowie: Wenn man das Bild bearbeitet hat muss man es unter derselben Lizenz veröffentlichen.
BY-ND Das Bild teilen BY-Lizenz + Man darf das Bild bearbeiten, dieses dann aber nicht veröffentlichen.
BY-NC Das Bild teilen und bearbeiten BY-Lizenz + Man darf das Bild nicht für kommerzielle Zwecke nutzen.
BY-NC-SA Das Bild teilen und bearbeiten Kombination aus BY, NC und SA-Lizenz: man darf das Bild nicht verkaufen und auch nicht unter einer anderen Lizenz als dieser weitergeben.
BY-NC-ND Das Bild teilen Das Bild nicht bearbeiten, nicht kommerziell nutzen und den Namen des Urhebers nennen.
CC0 Alles Nichts

Ergo setzt sich eine Lizenz aus folgenden Teilen zusammen: BY (Urheber), No Derivatives (keine Veränderung), Share Alike (Weitergabe unter denselben Bedingungen) und Non Commercial (keine kommerzielle Nutzung).

Was man noch beachten muss sind die Definitionen:

Bearbeiten bedeutet: remixen, ändern und in sonstiger Weise direkt darauf aufbauen. Eine reine Formatänderung gilt gemeinhin nicht als Bearbeitung.

Kommerziell bedeutet: der Nutzer zielt primär auf eine Vergütung oder andere kommerzielle Vorteile ab

Namensnennung bedeutet: man muss adäquat auf den Urheber hinweisen. „Foto von Flickr“ reicht also nicht und genausowenig „Foto von Adrian Malzer“ in Schriftgröße 0.5, richtig wäre: „Foto: Adrian Malzer, PalmerMalzer, Flickr, CC-BY-SA 3.0 DE“

Die Zahl hinter der Lizenz bedeutet im übrigen die aktuell gültige Lizenz (immer: 3.0) in der Bundesrepublik (= DE), die muss man ebenfalls nennen.

Alle Informationen, auch die Langfassung der Lizenzen, findet man hier: http://creativecommons.org.

Alle hier genannten Informationen sind in keiner Weise rechtlich bindend oder ersetzen im Zweifelsfall einen anwaltlichen Rat sondern spiegeln ausschließlich meine privaten Erfahrungen wider.

Den Text weise ich übrigens unter BY-NC-ND 3.0 DE aus.