Gestern war Equal Pay Day und ich Trottel habe das Bild geteilt.

EPD_1.3 Kopie

Das ist es also, das Corpus Delicti. Was fällt diesen Jusos Baden-Württemberg ein, so etwas zu veröffentlichen? Wo doch eigentlich alles gut ist in unserer Gesellschaft, keine Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen gelten, der Feminismus komplett abgeschlossen ist und niemand mehr wegen seines Geschlechts diskriminiert wird (absolut niemand!).

So zumindest konnte ich aus den Kommentaren unter dem Bild lesen – ein kurzes best-of:

J1 j2

Gleiche Arbeit, gleicher Lohn? Eigentlich muss das selbstverständlich sein. Das sagen Frauen und Männer in Deutschland gleichermaßen. Und doch gibt es weiterhin eine Lohnlücke. Sie liegt in Deutschland bei etwa 22 Prozent – das ist weit mehr als in den meisten anderen Industrieländern.

Christine Lüders ist eine faszinierende Frau. Die Frau mit dem abschreckenden Titel wird sie manchmal genannt, sie ist studierte Pädagogin und hat bei der Lufthansa gearbeitet. Das Zitat oben ist von ihr, Frau Lüders ist Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (und wenn irgendwer Ahnung davon hat, dann doch wohl sie). Die 22% bestehen über die komplette Gesellschaft, also Berufe mit inbegriffen, in denen Frauen so gut wie nicht vorkommen. Dass diese Statistik ein wenig irreführend ist, sehe ich ein. Trotzdem bin ich nicht so blind und verschließe meine Augen vor der Realität: bereinigt liegt die Gender Wage Gap bei 7%. Allgemein wird statistisch in 18 Berufsgruppierungen unterteilt, in denen ein Unterschied sehr genau bemessen werden kann. Darunter wird gemessen, wie viele Frauen und Männer in einer Berufsgruppe vorkommen, was man als horizontale Geschlechtersegregation versteht (und jetzt, Zweifler, nicht aufhören zu lesen, jetzt wird’s interessant).

1)      Beispiel 1: Grundstücks- und Wohnungswesen: In Deutschland liegt hier der Frauenanteil bei 51,4%, in der EU nur bei 49,2%. Insofern ist das eine relativ ausgeglichene Branche, Frauen haben dieselben Chancen, einen Job zu bekommen, wie Männer. Trotzdem bekommen Frauen 20,5% weniger Lohn als Männer in vergleichbaren Positionen. Zufall?

2)      Nein. Ein extremeres Beispiel, Gesundheit- und Sozialwesen. Nur 33% der Männer haben Lust, sich als Pfleger die Hände schmutzig zu machen, trotzdem verdienen sie 24,6% mehr.

Das, liebe Leute, sind Fakten, die keine Süddeutsche Zeitung der Welt schönreden kann. Was das für Folgen hat, sieht man aktuell bei der Geschlechterspezifischen Betrachtung der Altersarmut: 30% mehr Frauen sind davon betroffen als ihre männlichen Kollegen. Und das habe ich mir auch nicht selbst ausgedacht, das sagt die Hans-Böckler-Stiftung. Wenn man sich den Forderungskatalog von Frau Lüders durchliest klingt das ein wenig so, wie das, was sich Frank Bsirske immer auf seinen Weihnachtswunschzettel schreibt (was deswegen witzig ist, weil Christine Lüders immer ein bisschen Nähe zur Union nachgesagt wird). „Entgeltungleichheit kann sich Deutschland auch im Hinblick auf den Demografischen Wandel und den kommenden Fachkräftemangel nicht länger leisten. Sie schadet auch der Wirtschaft.“

Was gesellschaftliche Realität ist, ist also nicht in den Köpfen der Menschen angekommen, wir bewegen uns da in einer Zone, von der mir eigentlich immer suggeriert wurde, dass sie längst Passé sei.

Wer also behauptet, die Jusos Baden-Württemberg seien Populisten, die sich die Zahlen so hindrehen, dass die Leute sie gut finden oder sogar behaupten, eine Ungleichbehandlung gäbe es so gar nicht ist entweder unfähig, sich mal ordentliche Statistiken zu googeln oder einfach nicht in der Lage, diese zu verstehen.

Bemerkenswert eigentlich, dass alle negativen Kommentare von Männern kommen.

 

Quellen:
http://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/publikationen/Faktensammlung_Entgeltungleichheit.pdf?__blob=publicationFile
http://www.igmetall.de/SID-6BB488CD-A58CFC84/altersarmut-von-frauen-10811.htm

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