Meine Kirche

32 Millionen für eine Residenz, Kindesmissbrauch, Geheimniskrämerei und überhaupt, Inquisition und Ablasshandel und Kreuzzüge. Es ist leicht, Dinge gegen die katholische Kirche zu finden. Trotzdem bin ich Mitglied und habe auch nicht vor, das zu ändern. Im Gegenteil: ich möchte das begründen und eine Lanze für meine Kirche brechen.

Ich bin nicht streng religiös, gehe nicht jeden Sonntag in die Kirche und was die angestrebte Moral angeht nehme ich es auch nicht immer ganz so streng. Wie ich es denn moralisch mit meinem Gewissen vereinbaren könne, trotzdem bekennendes Mitglied zu sein, werde ich ab und an gefragt, ich bin auch seit meinem fünfzehnten Lebensjahr SPD- und Juso-Mitglied. Es ist in der letzten Zeit einfacher geworden, gegen die Kirche zu wettern. Irgendwo mit Recht, ein Prunkbau mit unnötigen Kosten ist schäbig, ganz zu schweigen vom Umgang mit dem Kindesmissbrauch. Und dann gibt es immer wieder die ewig gestrigen, die schwule und lesben nicht gleichstellen möchten und geschützten Geschlechtsverkehr für etwas Teuflisches halten. Die mediale Berichterstattung tut dann ihr übriges und schon entsteht das Bild der unbarmherzigen, kalten und gierigen Kirche.

1.166 Millionen Mitglieder hat die Katholische Kirche aktuell weltweit. Davon leben 23 Millionen in Deutschland. 23 Millionen. Viele davon werden ähnlich denken wie ich, sie verurteilen die Fehler, sehen die Kirche aber in einer Makro-Sicht. Ich glaube, dass es da irgendwo einen Gott gibt, ich kann es mir rational nicht erklären aber das ist ja auch nicht der Sinn von Glauben. Dass es da Menschen gibt, die das auch so sehen und sogar Menschen, die das predigen finde ich großartig. Es ist eine Gemeinschaft von Leuten, die sich in Traditionen und Überzeugungen über Alter, soziale Klasse oder politische Couleur hinweg zusammenfinden. Es ist für mich kein Lebensinhalt, aber es ist irgendwie immer da, wenn man es braucht. Als Geber von Hoffnung und Spender von Trost, es sind die schlechten Momente, in denen sich die Kirche in den Vordergrund drängt. Ich erinnere mich aber auch gerne an meine Zeit im Chor. Wenn wir in den Hinterzimmern von Kirchen in ganz Europa in Talaren gekleidet und mit Psalmen unterm Arm auf den Auftritt gewartet haben. Dieser kalte Geruch von Stein und Weihrauch und diese fast unheimliche Stille in einem voll besetzten Raum haben mich als Kind beeindruckt und haben mein Bild von der Kirche geprägt. Pfarrer, die sich nach dem Konzert draußen mit uns noch auf ein Eis trafen und uns irgendetwas vom Leben erzählten waren für mich die Gesichter der Kirche. Wenn da ein Papst oder ein Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz im Fernsehen auftraten war das die Projektion des Ganzen in eine Person, mit all den negativen und positiven Facetten. Das war beeindruckend, war aber nicht die Kirche.

So hat jeder seinen Aspekt, den die Kirche für einen selbst auszeichnet. Und dann ist es zweitrangig, wie viel ein Haus irgendwo in Deutschland kostet.

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Cui Bono?

Ich maße mir nicht an, Experte zu Syrien zu sein, im Gegenteil habe ich mir ein kritisches Auge antrainiert, wenn es darum geht, selbst ernannten Experten in einem Konflikt zu trauen. Trotzdem habe ich durch meinen Studiengang und meinen Nachrichtenkonsum genug zu dem Thema erfahren. Syrien macht es uns westlichen Menschen schwer. Es gibt nicht die Guten und den Bösen, der gestürzt werden soll. Es gibt viele gegen einen, ein unübersichtliches Wirrwarr an Parteien, Milizen und Kämpfern, die sich in ihren Taten nicht viel geben. Ich frage mich: woher kommt das? Und wenn es schon diese Asymmetrie gibt, warum will der Westen dann eingreifen? Im Endeffekt ist es eine einzige Frage: Cui Bono – wer profitiert?

Baschar Hafiz al-Assad, Jahrgang 1965, ist Präsident, Diktator, von Syrien. Er stammt aus dem Assad-Clan, religiöse Alawiten, der von dem Militärputsch profitierte und seit 1971 die uneingeschränkte Herrschaft über Syrien hat. Im Zuge des arabischen Frühlings griffen die Proteste Mitte 2011 auch auf Syrien über und wurden von Assad niedergeschlagen. Seitdem tobt ein Bürgerkrieg, dem der Westen konzeptlos zusieht.

Die Organisation des Protestes liegt mittlerweile weitestgehend in der Hand von inländischen Milizen, die vom Ausland unterstützt werden, und komplett ausländischen Kräften. Ziel ist der Sturz Assads, sollte man meinen. Doch Syrien hat sich zu einem Stellvertreterkrieg entwickelt, was vor allem dann deutlich wird, wenn man die lenkenden Kräfte betrachtet. Allgemein bekannt ist, dass Russland und China Waffensysteme an das Regime liefern. Auf Seiten der Rebellen sticht vor allem die Hisbollah hervor, eine Iranische Miliz, die in den umkämpften Gebieten als Ordungsmacht dient. In der Opposition haben die sunitischen Islamisten die Übermacht. Prominentes Beispiel für den inner-oppositionellen Konflikt ist Aleppo geworden: dort bekämpfen sich sunitische Fanatiker und schiitische Islamisten. Vom Ausland unterstützt werden unter anderem die radikale (und gut entlohnende) Nusra-Front und die Ahrar al-Sham, welche die zweite große islamistische Miliz darstellt. Beide werden unterstützt von Saudi-Arabien, die Ahrar al-Sham-Miliz zudem auch von Quatar. Die beiden Länder domestizieren die syrische Opposition und sind selbst Teil des äußerst komplexen Spannungsfeldes zwischen dem Westen und der arabischen Welt: 2012 lag der Wert deutscher Waffenexporte u.a. nach Saudi-Arabien bei 1,42 Milliarden Euro.

Nun stellt sich die Frage, warum der Westen indirekt die Opposition bewaffnet und doch vor einer direkten Intervention zurückschreckt. Die Antwort könnte sein, dass der Westen noch immer auf eine politische Lösung hofft, dabei die Rebellen aber ein Gleichgewicht zu den Regierungstruppen erreichen müssen. Sollte es sich bewahrheiten, dass al-Assad für die furchtbaren Giftgas-Angriffe verantwortlich ist, setzt das den Westen unter Druck. Um die außenpolitische Rolle nicht ins lächerliche zu ziehen müsste die USA eingreifen. Dies bewirkt aber automatisch, dass die Opposition die Oberhand gewinnen könnte. Es gibt nur 3 Wege, wie der Krieg enden kann: der Status Quo wird beibehalten und der Westen akzeptiert einen gewalttätigen, unterdrückenden und stabilen Diktator al-Assad. Der Westen greift ein und die Opposition könnte gewinnen, was zu einem islamistischen Staat führen wird. Oder der Westen besetzt das Land und setzt eigenständig eine Regierung ein. Denn eine Flugverbotszone nach Libyschem Vorbild allein ist aufgrund der russischen Flugabwehrsysteme zu einem zu großen Risiko gewo den. Trotz alledem ist es ein unkalkulierbares Risiko, eine militärische Intervention durchzuführen. Ich bin gegen eine militärische Intervention, denn noch einen Krieg kann sich der Westen nicht leisten – in der einen wie in der anderen Hinsicht.

Infos vom Newsdesk

Morgen dürfen sich alle KVs auf eine Fotoaktion einstellen, unter dem Motto „Zeit. Für uns, für…“ kann jeder KV die eigenen Schwerpunkte mitteilen und wird sie dann auf den großen Social-Media-Kanälen der Jusos BaWü wiederfinden, wir würden uns über rege Teilnahme freuen! /am

Wen’s stört, soll doch wo anders hin.

Dass Parteifreunde nicht automatisch Freunde im Leben werden, ist hinlänglich bekannt. Wenn sich diese Abneigung aber mancherorts in Kontraproduktivität umwandelt, wird es gefährlich. Eine Warnung.

„Selbst Belanglosigkeiten, Orte von Sitzungen oder die Standeinteilung bei Straßenständen, werden so konsequent boykottiert, dass sich das auf das Arbeitsklima im Verband negativ auswirkt“ erzählte mir ein Freund, dessen Partei ich nicht nennen möchte, um niemanden zu schädigen. „Es ist purer Hass“ sagte mir ein anderer aus dem entgegengesetzten politischen Lager. „Ich kann mit denen nicht zusammenarbeiten, die machen alles kaputt, was ich anfange“.

Es ist ein Grundmuster eines jeden, der einen anderen negativ beeinflussen will. In der Psychologie nennt man es die gezielte und beabsichtigte Viktimisierung von Individuen, welche durch einen schwächeren sozialen Status und der Aufwertung des sozialen Status des Aggressors hervorgerufen wird. Grundsätzlich kommen diese Phänomene in hierarchisch strukturierten, kontrollfreien Räumen vor, wobei das bei einer Partei schwierig festzustellen ist. Zwar ist es ein sozialer Raum wie jeder andere. Trotzdem verbinden aber Werte und Vorstellungen und allgemein eine politische Einstellung.

Parteien sind pluralistischer geworden. Es gibt nicht die eine absolute Meinung, die alle verbindet, sondern einen rechten Flügel und einen linken Flügel und einen Flügel, der von beiden nicht viel hält. Ohne dass es je an die Öffentlichkeit kommen würde, brodelt mancherorts an der Basis eine kaum zu erklärende Wut auf anders denkende. Man muss als Verantwortung tragender ein sehr dickes Fell haben, um diesem Druck stand zu halten. Oft kommen diese Aggressionen völlig ohne Ursache. Die Gegner versteifen sich und stacheln sich gegenseitig in ihren Kleingruppen an, hören dem anderen nicht zu und zeigen nicht die Toleranz, welche sie nach außen predigen. Es hat schon lange nichts mehr mit Politik zu tun, was sich in manchen Ortsvereinsbüros der Republik abspielt.

Dass in der Politik ständig an Stühlen gesägt wird, dürfte niemanden mehr wundern. Auch, dass davon nicht nur die erste Reihe der Politiker betroffen sind. Aber dass politisches Engagement mancherorts dasselbe bedeutet, ehrenamtlichen Stress quasi, ist ein Phänomen, das die Öffentlichkeit so nicht wahrhaben will und muss. Warum auch. Dass Machterhalt dort gesichert oder erlangt werden will, wo es um Wirtschaftspolitik, Außenbeziehungen und das Wohlergehen von achtzig Millionen Bürgerinnen und Bürgern geht, ist zwar nicht schön, aber wenig verwunderlich. Aber bei Fragen, wo ein Film vorgeführt oder ein Stand platziert wird, fehlt dafür das Verständnis. Und es sind nicht nur die konkret realpolitischen Entscheidungen. Selbst nicht so gemeinte Äußerungen oder völlig harmlose Bilder im Internet werden so konsequent verdreht, dass es fast schon lächerlich ist.

Diese Wut zieht durch Instanzen und schädigt so die Partei von unten. Es sind nicht die oberen zehn, zwanzig Verantwortlichen, welche Spaltungen provozieren, es sind diejenigen, welche sie von unten ausführen. Dort ist letztlich nur die Tatkraft der stärkeren ausschlaggebend. Denn Druckmittel gibt es kaum, für ein Parteiausschlussverfahren reicht es nicht, und man will ja auch nicht die Basis vergraulen. Es ist die Einigkeit, die fehlt, die Freundschaft, die nur über die Farbe des Parteibuches manifestiert wird und der Hass, der lähmt. Die Gefahr ist, dass Verbände zerbrechen und die Menschen gleich mit.

„Wenn es so weitergeht, höre ich vorzeitig auf“ erklärte mir ein Kollege von einer Hochschulgruppe. Es sind letztendlich nur die Freunde, die einen im Geschäft halten. Wenn man nur auf die innerparteilichen Feinde hört könnte man auch gleich die Amtszeiten auf 2 Monate heruntersetzen.

Und selbst das ist Optimismus.

In eigener Sache

Manch einer wird sich durch einen Post auf Twitter oder Facebook hierher verirrt haben. Irgendwas mit RedBull stand da im Betreff und jetzt will man auch mal rausfinden, was da dahintersteckt. Wenn das stimmt: danke!

Und wenn das nicht stimmt, hier einfach so die Erklärung: RedBull ist ein wunderbares Kaltgetränk. Jedoch fanden mein Freund Frederik und ich, dass die aktuell existierenden Möglichkeiten, das Getränk zu verwenden, doch arg berenzt sind. Mit Wasser kann man nicht nur den Durst löschen, sondern auch Blumen gießen und Nudeln kochen, in Spanien wälzen sich die Leute sogar in Tomatensaft und spätestens seit „Lanz kocht“ ist auch der Weißwein endlich als Kochzusatz anerkannt. Mit RedBull kann man vielleicht noch Wodka mischen, das war’s dann aber auch.

Viele fragen uns: muss das sein?

Und wir sagen: Ja, es muss. Es ist an der Zeit, den Markt von unten zu revolutionieren. Es ist an der Zeit, der so kurzsichtigen infantilen Jugendgesellschaft den Alkoholverblendeten Riegel zu zerbrechen und zu sagen: Wacht auf! Seid kreativ! Und hört endlich auf, den Undercut cool zu finden!! Falsches Thema.

Frederik und ich werden daher bald die Verträglichkeit von RedBull ausreizen und ihn mit einer ausgewählten Anzahl (10) von Produken (Steak, Schokolade, Gelierzucker etc.) kombinieren. Das Ergebnis findet sich später hier im Blog und live auf Twitter (@adrianmalzer und @frederikpalmer, kommt drauf an, wer grade probieren muss).

And for all my english-speaking readers (the official RedBull-Twitter-guys included): Frederik and I are testing your awesome product on the ability to combine with other types of food and will publish our results right here. By the way: we are not having jobs yet so poaching us is quite easy 😉 (just write me an e-mail or something)

#myredbull

Eurṓpē bedeutet Weitsicht.

Den Menschen erklären, warum wir Europa brauchen. Das war mein Auftrag, mit dem ich als sechzehnjähriger Juso auf die Straße geschickt wurde. Werbung machen für die SPD für die Europawahl war das Ziel, aber dazu musste ich den Leuten zu erst einmal vermitteln, warum sie überhaupt wählen gehen sollten. „Bürokratie“ hörte ich oft, die Gurkennorm wurde zitiert und die Machtlosigkeit des Parlaments, des Rates und die Macht derjenigen Staats- und Regierungschefs, bei denen das Geld sitzt.

Was sagt man also darauf?

Ich erinnerte an das Demokratieprinzip, die Legitimation, aus denen Parlamentarier ja erst Macht entwickeln können, so ganz genau wusste ich aber nicht, für wen ich da überhaupt Wahlkampf machte.

Heute, knapp vier Jahre später, bin ich noch immer bei den Jusos und trete in der Europa Union und bei den Jungen Europäischen Föderalisten für die EU ein. Ich weiß, wie Europa funktioniert, was es im Kern zusammen hält und wie Macht entwickelt wird, zumindest im Ansatz. Der Große Unterschied zwischen mir und all den anderen ist vielleicht nur mein Alter. Ich bin nicht resigniert, im Gegenteil, ich wollte herausfinden, warum die Leute Europa zwar irgendwie voll in Ordnung finden, die europäische Politik aber eher negativ wahrnehmen. Schwer beeindruckt hat mich da das Europaparlament in Straßburg. Gigantisches Gebäude und ein noch gigantischerer Plenarsaal. Einzig der Union Jack auf dem Platz von Nigel Farage brachte einen Hauch Individualität in den Saal, sonst stand man da einfach einem riesigen Haufen Plätzen gegenüber. „Was das kostet“ raunte damals eine Lehrerin, die mit ihrer Schulklasse die Straßburg-Pflichttour abarbeitete, „und das zahlen alles wir“.

Und das zahlen alles wir.

Das ist es im Kern, was die Menschen interessiert: das Geld. Ein paradoxes Verständnis von Integrität ist es doch irgendwie, auf was man da trifft. Braucht man Europa nun oder ist es nur noch dafür da, undankbare Griechen und Zyprioten Transparente vor sich her tragen zu lassen?

Nein, ist es nicht.Denn was die Menschen verwechseln ist das essentielle. Europa braucht die Menschen mindestens so sehr, wie sie Europa. Eigentlich weiß jeder, dass Europa für den Frieden verantwortlich ist, für den wir jeden einzelnen Tag dankbar sein müssten. Für Reisefreiheit und für die gemeinsame Währung, die der Bundesrepublik Wirtschaftliche Stärke einbringt und uns garantiert, dass wir in x Ländern mit unserem Geld zahlen können. Einfach so, ohne wechseln. Doch die europäische Tagespolitik lernt man erst kennen, wenn man zwischen den EU-Gipfeln und den Treffen der europäischen Finanzministern zwischen den Zeilen lesen kann. Es ist diese Einheit, die Europa stark macht. Die Europa zu einer Kontrollinstanz macht, zu einem Binnenwirtschaftsraum, der die Starken vereint und die schwachen stützt. Und dass man nicht jeden Tag Europa spürt, ist, wie immer, ein Kommunikationsproblem. Vielleicht der einzige, der es (wenn auch im negativen Sinne) schafft, ist der oben genannte Nigel Farage. Er schafft es, zu polarisieren und sich die Bereiche zum Tragen nach außen heraussucht, die die Menschen interessieren und sie so bedingungslos verknappt, dass man sich zumindest einbildet, sie verstanden zu haben. Im Positiven bekommt das im übrigen Martin Schulz hin. Doch auch die beste Kommunikation hilft nichts, wenn die Inhalte nicht stimmen. Europa muss sich vor allem darüber klar werden, wie es in Zukunft Politik machen möchte. Mit den Menschen, dann muss die demokratische Legitimation dringend reformiert werden. Von einem kleineren zu einem mächtigeren Parlament und Rat, das auch den Mut haben darf, Entscheidungen zu blockieren. Das würde auch den vielen Jusos da draußen helfen, die immer gerne für das komplexe System Europa Wahlkampf machen. Es ginge aber auch einfacher.

Von der Currywurst, Helmut Schmidt und dem perfekten Wahlkampf

Peer Steinbrück hat viel Geld durch Vorträge verdient. Anette Schavan hat in ihrer Dissertation abgeschrieben. Patrick Döring hat beim Einparken einen Seitenspiegel beschädigt. Horst Seehofer hat mit seiner Geliebten in Berlin ein Kind. Claudia Roth hat geweint, als sie nicht zur Spitzenkandidatin gewählt wurde. Und Gregor Gysi hat ein Stasi-Problem.

Die Menschen sind nicht zu dumm für Politik. Sie merken sich das, was kommuniziert wird und vergessen das, was vergessen werden soll. Es beklagen sich Politiker durch alle Reihen, dass sich die Menschen im Wahlkampf mehr über persönliche Probleme der Spitzenkandidaten Gedanken machen als über die Inhalte. Ist das das Problem der Menschen? Oder ist das das Problem der Kommunikation?

Das Image von Politik wird geprägt durch kurze Statements, aus denen sich Menschen Halbwahrheiten heraus suchen und sich darauf aufbauend eine Meinung bilden, die der verpönten Stammtischmeinung in so manchem ähnlich ist. Sie bilden sich ihre Gedanken über Inhalte von 140 Zeichen, von den 15 Minuten Tagesschau oder, wenn es gut läuft, von ein paar Artikeln auf SpOn. Und dann ärgert sich die Politik darüber, dass die Menschen ein verfestigtes Bild von den Spitzenleuten haben, die das Image der Partei prägen. Im Folgenden suchen sich die meinungsbildenden Medien genau diese Statements heraus und verfestigen nur noch mehr. Ist das nun den Menschen vorzuwerfen? Ist es dann also ihre Schuld, wenn sie Peer Steinbrück nicht wählen, weil er reich ist und nicht, weil sie seiner Haltung zur Mietpolitik nicht zustimmen können – unterbewusst, wohl gemerkt?

Nein, das ist es nicht. Es ist vielmehr ein Versagen der Politik, Inhalte zu platzieren und Menschen zu erreichen, in der Wirtschaft würde man sagen, das Humankapital zu akquirieren. Doch wie ändert man das? Wie bringt man die Wähler dazu, sich von den Themen leiten zu lassen, die am Ende die Geschicke des Landes entscheiden?

Um dieses Ziel zu erreichen, muss man sich die Bereiche heraussuchen, in denen das gelingt.

Früher war die Meinungsbildung völlig ins klassisch-mediale verschoben. Helmut Schmidt gewann 1976 die Wahl gegen Kohl (trotz niedrigerem Zweitstimmenanteil), weil er die öffentliche Meinung so zu beeinflussen wusste, als dass sich alle sicher waren: Schmidt schafft es. Dies hatte zur Folge, dass Medienberichte so geschnitten wurden, dass Schmidt positiver aussah, als er war, er größer wirkte, als er war und seine Inhalte auf mehr Anklang gestoßen sind, als die von Kohl. Hier sieht man, dass die Inhalte vor allem durch das Mundgerechte Servieren und nicht nur durch die bloße Authentizität in den Fokus geraten. Heute wäre das nicht mehr möglich. Durch die Vielfalt der Möglichkeiten der Bürger, sich über die Medien zu informieren, ist die Platzierung von fundierter Politik wesentlich schwerer geworden. Paradoxerweise bezweckt die Vervielfältigung der Netzwerke nicht die Verbesserung der Informationspolitik an Inhalten – im Gegenteil: was die, wohlgemerkt glaubwürdigen, Inhalte noch platziert, ist der persönliche Kontakt. Als positives Beispiel verzichte ich auf Barack Obama, dass der alles richtig gemacht hat, weiß mittlerweile die ganze Welt. Auf was kommt es also an bzw. was ist es, das die Politiker im Augenblick noch falsch machen?

Der Wähler ist müde, die alltäglichen Attacken zu verfolgen, die Regierung ist lethargisch, die Opposition weltfremd. Damit gewinnt man keine Wähler mehr, damit positioniert man sich nicht einmal, damit langweilt man nur. Weiter riskiert man als Partei auf lange Sicht einiges. Die Weimarer Republik ist an vielem gescheitert, unter anderem aber auch daran, dass sich die Parteien mit der Zeit zu reinen Gesinnungsparteien entwickelt hatten. Mal abgesehen von der offensichtlichen Unvergleichbarkeit der Inhalte kann man doch ein Prinzip feststellen: Kurzfristig ist das enorm effektiv, man platziert keine Inhalte sondern schafft mit Polemik und Phrasen ein Image, mit dem man schnell viele Wähler zieht. Auf lange Sicht ist das aber zum Scheitern verurteilt, denn die öffentliche Meinung schlägt schnell um und der Bürger beginnt nachzudenken – meistens das Todesurteil für solche Strömungen. Zugegeben, die Erklärung münzte schon nicht mehr auf die Weimarer Republik. Aktuelles prominentes Beispiel ist niemand geringeres als die Piraten-Partei (wobei auch hier noch einige andere Faktoren dazu kommen).

Was ist es also, das Patentrezept?

Basis ist vor allem eines: Ehrlichkeit. Wähler merken, wann ihrem gesunden Menschenverstand etwas vorgespielt wird. Wenn man es dann noch versteht, Inhalte so zu verpacken, dass man darüber schmunzeln muss oder zumindest zum nachdenken angeregt wird, hat man es eigentlich schon fast geschafft. Themen müssen sich im kleinen, also auf Twitter, Facebook und Co. auf Aktuelles beziehen, sich zu anderen Dingen verknüpfen oder Insider-Informationen preisgeben, die man sich als Bürger vermeintlich nicht selbst beschaffen kann. Im Großen, also in der Presse, auf wordpress (übrigens ein von den grand senieurs der Politik fast sträflich vernachlässigtes Medium) hat diese Taktik nichts zu suchen. Dort zählt vor allem eines: Fakten. Dort kann man in die Tiefe gehen, Lösungen erörtern und auch mal über 2 A4-Seiten (vielerorts die Schmerzobergrenze bei politischen Themen) über ein politisches Thema schreiben. Denn wer sich auch eine solche Seite verirrt oder geleitet wird, der liest das in der Regel auch.

Inhalte müssen in den normalen sozialen Netzwerken in der Lage sein, zu polarisieren und zu begeistern, vor allem geht es darum, den eigenen Anhängern Argumente zu liefern und Gegnern möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Was man vor allem aber beachten muss, ist die Erwartungshaltung der eigenen Anhänger.

Allgemein muss man sich immer an das jeweilige Medium anpassen: Facebook bietet Raum für das oben genannte. Google+ ebenfalls.

Zu Twitter hatte ich lange ein etwas gespaltenes Verhältnis. Leuten folgen, alles klar, aber was genau soll ich dort? Wen interessiert das, was ich da schreibe? Politiker sollten sich vor allem drei Fragen stellen: „Muss das gesagt werden? Muss das gesagt werden? Und: Muss das gesagt werden?“ (on.welt.de/Xv72uM). Denn was bringt es, dass Leute den Tweet wegscrollen und in die übliche Kategorie „Langweilig“ verschieben? Auch das Prinzip „rar machen“ funktioniert nicht, Leute vergessen schneller, als dass sie sich interessieren, das ist in der allgemeinen Politik nicht anders als in sozialen Netzwerken.

Die Macht der Bilder: Widersprüche nutzen

Die Vision von einem perfekten Wahlkampf lässt sich heute nicht mehr mit Beispielen aus der Vergangenheit vergleichen. Jede Wahl bietet andere, neue Möglichkeiten und Trends, auf die man eingehen kann. 1976 waren das starke Reden und anpackende Plakate. Der Wahlkampf heute kennzeichnet sich durch das Abstufen in Phasen.

In der ersten Phase, der Findung eines Kandidaten, nach dem der Wahlkampf ausgerichtet werden soll, zählt weniger die Kommunikation nach außen als die nach innen, wenn die Basis nicht einverstanden ist, kann man den Wahlkampf gleich vergessen. Angeschlossen wird die vielleicht wichtigste Phase für die Strategen an den Sozialen Medien: ein Image für den Kandidaten muss aufgebaut werden. Der Gefahr, dass man schnell ein Image von außen aufgedrängt bekommt, muss durch kontrollierte Darstellung von Inhalten begegnet werden. Im Netzwerkbereich, dem ich hier die Aufmerksamkeit widme, ist hier die Aktion wichtig. Was dem Kandidaten wichtig ist, wird so aufbereitet, dass es in das Gesamtkonzept passt und dann so verkauft, dass es kurz und prägnant kommuniziert und ausführlich aufbereitet werden kann. Das kann sehr schnell schief gehen, benötigt aber, wenn es gut werden soll, viel Zeit und Nerven. Alles andere, was danach kommt – Imagepflege und Day-Management – stützt sich wiederum auf einen völlig anderen Gedanken. Hier geht es vor allem um Reaktion auf Aktionen von außen.

All das geschieht durch verschiedene Arten von Kommunikation. Die vielleicht zentrale, um aus guten Inhalten auch noch Inhalte zu machen, die wahrgenommen werden, ist die Platzierung von Bildern in den Medien, in denen man sie nutzen kann. Um eine kurze Nachricht in den Köpfen der Menschen fest zu halten benötigt es nicht nur einen guten Text, sondern auch Emotionen, die dadurch produziert werden, um reproduziert werden zu können. Ein sehr gutes Beispiel ist das Wahlplakat von Erik Flügge und Jonathan Gauß zur NRW-Wahl 2012. „Currywurst ist SPD“ tapezierte das halbe Land, wurde im Netz kontrovers diskutiert und sogar Martin Sonneborn schaltete sich ein. Dass ein solches Plakat in Erinnerung bleibt, steht außer Frage, und wenn die unentschlossenen Wähler beim Anblick der SPD auf dem Wahlzettel kurz grinsen müssen, weil sie etwas anderes damit verbinden als spröde Politik und dann dort ihr Kreuz machen, hat selbst das unpolitischste aller Plakate seinen Sinn erreicht. Wir wollten das Lebensgefühl des Ruhrpotts einfangen und haben uns überlegt, mit was man das in Verbindung bringen kann und sind dann bei Herbert Grönemeyer hängen geblieben, sagte Erik Flügge sinngemäß in einem Radiointerview.

Currywurst und fundierte Politik passt zugegebenermaßen nur sehr bedingt zusammen. Wenn dadurch aber eine politische Diskussion angeregt wird, auf die man im weiteren Wahlkampf aufbauen kann, kommt man den Anforderungen des perfekten Wahlkampfes schon ziemlich nahe. Menschen zu erreichen war noch nie so einfach – wenn man weiß, wie.

Welche Ligen gibt es?

Welche Ligen gibt es?

 Bundesliga (höchste Deutsche Spielklasse). Aufgegliedert in 1., 2. und 3. Liga. Der jeweils erst, zweit und drittplatzierte der 2. und 3. Liga steigt in die jeweils höhere Liga auf. Der Letzte und vorletzte steigt ab. Der Drittletzte spielt gegen den jeweils Drittplatzierten der tieferen Liga im sog. Relegationsspiel um den Auf- bzw. Abstieg.

Aktuell:

Unbenannt

1. Liga

Unbenannt1

2. Liga

Im Moment würde Fürth und Augsburg absteigen. Brauenschweig und Berlin würden aufsteigen. K’Lautern würde gegen Hoffenheim in der Relegation spielen, würde K’Lautern beide Spiele gewinnen würden sie in den kommenden Saison in der 1. Liga, Hoffenheim (berechtigterweise) in der 2. Liga spielen.

Der Erst- bis Drittplatzierte der Bundesliga spielt in der Champions League, der höchsten Europäischen Spielklasse, in der die Besten Mannschaften Europas in einer Gruppen- und KO-Phase (Wie bei der WM) gegeneinander spielen. Der Gewinner ist dann Champions-League Sieger und bekommt viel Geld, hat aber auch die Qualifikation für die nächste CL-Saison sicher (unabhängig vom nationalen Spielergebnis). Aktuell würden also der FC Bayern, Dortmund und Bayer in der CL spielen.

 Unbenannt3

Dann gibt es noch die Europa-League, den kleinen Bruder der Champions-League. Dort spielen die guten, aber nicht sehr guten Mannschaften Europas. In Deutschland spielt der 4. und 5. in der Europa-League, der 6. muss sich erst noch in der Euroleague-Qualifikation dafür qualifizieren. Im Augenblick würden also Frankfurt und Freiburg direkt qualifiziert sein, der HSV müsste in die Qualifikation. Aufgebaut ist die Euroleague wie die Champions-League.

Quelle des Titelbildes: http://www.dt3.de , Quelle der Tabelle: http://www.bundesliga.de

Einsender der Frage: niemand. Hast auch Du eine Frage an Adrian? Kommentar hier: http://bit.ly/UTrxnE

Was ist der kürzeste Berliner Witz aller Zeiten?

Da musste ich kurz überlegen, aber ich als aufmerksamer SpOn-Leser weiß: Der kürzeste Berliner Witz ist „Mit der S-Bahn zum Flughafen“! @saschalobo

Das Bild oben zeigt übrigens nicht den Flughafen Berlin-Brandenburg sondern Stuttgart 21 – Nicht nur Berliner können nicht Großprojekt.

Einsender der Frage: Max M. aus P. Hast auch Du eine Frage an Adrian? Kommentar hier: http://bit.ly/UTrxnE