Arbeitslos durch Internet

In der Online-Ausgabe der „Werben und Verkaufen“ erschien am 14.10. ein Review zur Philosophiesendung „Precht“ mit Richard David Precht und Sascha Lobo, in welcher die beiden über die Gefahren des Internets diskutierten und dabei erstaunliches feststellten:

„Prechts Thesen zur Sendung: Traditionelle Dienstleistungsbereiche befinden sich auf dem Rückzug. Digitale Sensoren am Handgelenk ersetzen den Hausarzt, Posts in sozialen Netzwerken wird heute mehr vertraut als der Beratung durch den Fachverkäufer, Flüge und Hotels buchen wir nicht mehr im Reisebüro, sondern im Internet, und ein Computerprogramm ersetzt den Steuerberater. Amateure statt Profis, „hire and fire“ statt Festanstellung, Schwarmintelligenz statt Fachkräfte: Die Zukunft der Arbeitswelt, so diagnostizieren Kritiker, werde aus einer Art digitalen Klassengesellschaft bestehen. Einige wenige beherrschten und bestückten die Computer, während die Mehrheit dem folge, was die Rechner ihnen vorschreiben.“

Die Botschaft ist also eindeutig: durch das Internet verlieren Menschen Arbeit, traditionelle Berufszweige sterben ab und die Gefahren sind unüberschaubar.

Das alles klingt in seiner Blase relativ logisch. Viele JournalistInnen sitzen auf der Straße, weil sich die Redaktion keinen Newsroom leisten kann und die Absatzzahlen sinken. Wenn Menschen arbeitslos werden ist das natürlich furchtbar. Aber ist es auch Anlass, eine ganze Kultur infrage zu stellen?

Dieses Blog steht online, wer das liest hat also einen ganz natürlichen Bezug zum Internet. Ich könnte es mir nicht leisten, alle meine Gedanken auf ein Stück Papier zu schreiben und es jeder und jedem meiner LeserInnen zu schicken, zumal das auch ziemlich sinnlos wäre, so besonders ist das nun auch wieder nicht.

Es besteht ein großes Missverständnis, was das ganze mühsam aufgebaute Kartenhaus in sich zusammenstürzen lässt. Das Internet ersetzt nichts, es ergänzt nur. Umbrüche stoßen immer auf Widerstand, das war beim Buchdruck so, bei der industriellen Revolution und bei der Erfindung des Autos. Jede Art von Neuerung macht denjenigen, die die Potentiale nicht erkennen, Angst. Es sind die, die am Ende Vergleiche anstellen mit der früheren Zeit und so alles neue infrage stellen. Die Frage, die sich Precht und all die anderen stellen ist also falsch. Eigentlich sollten wir längst über das „was ist im Vergleich zu früher neu?“ heraus sein und darüber nachdenken: „wie gehen wir damit um?“ Aufhalten kann man die digitalisierung eh nicht mehr. Trotzdem benötigt es in allem, was wir in der Hosentasche und am Armband tragen einen Faktor, den es mit einem anderen Sinn auszufüllen gilt: den des Menschen. Ohne Expertise, Didaktik, Wissenschaft bleibt es dabei, dass das Gros den Umbruch als negativ begreift, weil es im Vergleich zu früher einen Bezugspunkt wahrnimmt, den Universitäten und Schulen nicht lehren. Wenn der wesentliche Ansatzpunkt zur Meisterung der „digitalen Revolution“ also bleibt, in Unis einen Kurs zum Umgang mit SPSS und Powerpoint anzubieten wird sich der Gedanke der Trennung von „Internet“ und „realem Leben“ weiter durchsetzen. Wenn jede Art von digitalem Einfluss erst auf Skepsis und dann auf Ignoranz trifft werden sich noch viele Prechts an der Frage die Zähen ausbeißen.

„Doch was kann man dagegen tun?“, so die Fragestellung der nächsten „Precht“-Sendung – die auch darüber nachdenken will: „Fallen die Prognosen zur Zukunft unserer Arbeit zu düster aus?“

Definitiv. Denn eigentlich ist alles auf einem ziemlich guten Weg.

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