Cui Bono?

Ich maße mir nicht an, Experte zu Syrien zu sein, im Gegenteil habe ich mir ein kritisches Auge antrainiert, wenn es darum geht, selbst ernannten Experten in einem Konflikt zu trauen. Trotzdem habe ich durch meinen Studiengang und meinen Nachrichtenkonsum genug zu dem Thema erfahren. Syrien macht es uns westlichen Menschen schwer. Es gibt nicht die Guten und den Bösen, der gestürzt werden soll. Es gibt viele gegen einen, ein unübersichtliches Wirrwarr an Parteien, Milizen und Kämpfern, die sich in ihren Taten nicht viel geben. Ich frage mich: woher kommt das? Und wenn es schon diese Asymmetrie gibt, warum will der Westen dann eingreifen? Im Endeffekt ist es eine einzige Frage: Cui Bono – wer profitiert?

Baschar Hafiz al-Assad, Jahrgang 1965, ist Präsident, Diktator, von Syrien. Er stammt aus dem Assad-Clan, religiöse Alawiten, der von dem Militärputsch profitierte und seit 1971 die uneingeschränkte Herrschaft über Syrien hat. Im Zuge des arabischen Frühlings griffen die Proteste Mitte 2011 auch auf Syrien über und wurden von Assad niedergeschlagen. Seitdem tobt ein Bürgerkrieg, dem der Westen konzeptlos zusieht.

Die Organisation des Protestes liegt mittlerweile weitestgehend in der Hand von inländischen Milizen, die vom Ausland unterstützt werden, und komplett ausländischen Kräften. Ziel ist der Sturz Assads, sollte man meinen. Doch Syrien hat sich zu einem Stellvertreterkrieg entwickelt, was vor allem dann deutlich wird, wenn man die lenkenden Kräfte betrachtet. Allgemein bekannt ist, dass Russland und China Waffensysteme an das Regime liefern. Auf Seiten der Rebellen sticht vor allem die Hisbollah hervor, eine Iranische Miliz, die in den umkämpften Gebieten als Ordungsmacht dient. In der Opposition haben die sunitischen Islamisten die Übermacht. Prominentes Beispiel für den inner-oppositionellen Konflikt ist Aleppo geworden: dort bekämpfen sich sunitische Fanatiker und schiitische Islamisten. Vom Ausland unterstützt werden unter anderem die radikale (und gut entlohnende) Nusra-Front und die Ahrar al-Sham, welche die zweite große islamistische Miliz darstellt. Beide werden unterstützt von Saudi-Arabien, die Ahrar al-Sham-Miliz zudem auch von Quatar. Die beiden Länder domestizieren die syrische Opposition und sind selbst Teil des äußerst komplexen Spannungsfeldes zwischen dem Westen und der arabischen Welt: 2012 lag der Wert deutscher Waffenexporte u.a. nach Saudi-Arabien bei 1,42 Milliarden Euro.

Nun stellt sich die Frage, warum der Westen indirekt die Opposition bewaffnet und doch vor einer direkten Intervention zurückschreckt. Die Antwort könnte sein, dass der Westen noch immer auf eine politische Lösung hofft, dabei die Rebellen aber ein Gleichgewicht zu den Regierungstruppen erreichen müssen. Sollte es sich bewahrheiten, dass al-Assad für die furchtbaren Giftgas-Angriffe verantwortlich ist, setzt das den Westen unter Druck. Um die außenpolitische Rolle nicht ins lächerliche zu ziehen müsste die USA eingreifen. Dies bewirkt aber automatisch, dass die Opposition die Oberhand gewinnen könnte. Es gibt nur 3 Wege, wie der Krieg enden kann: der Status Quo wird beibehalten und der Westen akzeptiert einen gewalttätigen, unterdrückenden und stabilen Diktator al-Assad. Der Westen greift ein und die Opposition könnte gewinnen, was zu einem islamistischen Staat führen wird. Oder der Westen besetzt das Land und setzt eigenständig eine Regierung ein. Denn eine Flugverbotszone nach Libyschem Vorbild allein ist aufgrund der russischen Flugabwehrsysteme zu einem zu großen Risiko gewo den. Trotz alledem ist es ein unkalkulierbares Risiko, eine militärische Intervention durchzuführen. Ich bin gegen eine militärische Intervention, denn noch einen Krieg kann sich der Westen nicht leisten – in der einen wie in der anderen Hinsicht.

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