Wen’s stört, soll doch wo anders hin.

Dass Parteifreunde nicht automatisch Freunde im Leben werden, ist hinlänglich bekannt. Wenn sich diese Abneigung aber mancherorts in Kontraproduktivität umwandelt, wird es gefährlich. Eine Warnung.

„Selbst Belanglosigkeiten, Orte von Sitzungen oder die Standeinteilung bei Straßenständen, werden so konsequent boykottiert, dass sich das auf das Arbeitsklima im Verband negativ auswirkt“ erzählte mir ein Freund, dessen Partei ich nicht nennen möchte, um niemanden zu schädigen. „Es ist purer Hass“ sagte mir ein anderer aus dem entgegengesetzten politischen Lager. „Ich kann mit denen nicht zusammenarbeiten, die machen alles kaputt, was ich anfange“.

Es ist ein Grundmuster eines jeden, der einen anderen negativ beeinflussen will. In der Psychologie nennt man es die gezielte und beabsichtigte Viktimisierung von Individuen, welche durch einen schwächeren sozialen Status und der Aufwertung des sozialen Status des Aggressors hervorgerufen wird. Grundsätzlich kommen diese Phänomene in hierarchisch strukturierten, kontrollfreien Räumen vor, wobei das bei einer Partei schwierig festzustellen ist. Zwar ist es ein sozialer Raum wie jeder andere. Trotzdem verbinden aber Werte und Vorstellungen und allgemein eine politische Einstellung.

Parteien sind pluralistischer geworden. Es gibt nicht die eine absolute Meinung, die alle verbindet, sondern einen rechten Flügel und einen linken Flügel und einen Flügel, der von beiden nicht viel hält. Ohne dass es je an die Öffentlichkeit kommen würde, brodelt mancherorts an der Basis eine kaum zu erklärende Wut auf anders denkende. Man muss als Verantwortung tragender ein sehr dickes Fell haben, um diesem Druck stand zu halten. Oft kommen diese Aggressionen völlig ohne Ursache. Die Gegner versteifen sich und stacheln sich gegenseitig in ihren Kleingruppen an, hören dem anderen nicht zu und zeigen nicht die Toleranz, welche sie nach außen predigen. Es hat schon lange nichts mehr mit Politik zu tun, was sich in manchen Ortsvereinsbüros der Republik abspielt.

Dass in der Politik ständig an Stühlen gesägt wird, dürfte niemanden mehr wundern. Auch, dass davon nicht nur die erste Reihe der Politiker betroffen sind. Aber dass politisches Engagement mancherorts dasselbe bedeutet, ehrenamtlichen Stress quasi, ist ein Phänomen, das die Öffentlichkeit so nicht wahrhaben will und muss. Warum auch. Dass Machterhalt dort gesichert oder erlangt werden will, wo es um Wirtschaftspolitik, Außenbeziehungen und das Wohlergehen von achtzig Millionen Bürgerinnen und Bürgern geht, ist zwar nicht schön, aber wenig verwunderlich. Aber bei Fragen, wo ein Film vorgeführt oder ein Stand platziert wird, fehlt dafür das Verständnis. Und es sind nicht nur die konkret realpolitischen Entscheidungen. Selbst nicht so gemeinte Äußerungen oder völlig harmlose Bilder im Internet werden so konsequent verdreht, dass es fast schon lächerlich ist.

Diese Wut zieht durch Instanzen und schädigt so die Partei von unten. Es sind nicht die oberen zehn, zwanzig Verantwortlichen, welche Spaltungen provozieren, es sind diejenigen, welche sie von unten ausführen. Dort ist letztlich nur die Tatkraft der stärkeren ausschlaggebend. Denn Druckmittel gibt es kaum, für ein Parteiausschlussverfahren reicht es nicht, und man will ja auch nicht die Basis vergraulen. Es ist die Einigkeit, die fehlt, die Freundschaft, die nur über die Farbe des Parteibuches manifestiert wird und der Hass, der lähmt. Die Gefahr ist, dass Verbände zerbrechen und die Menschen gleich mit.

„Wenn es so weitergeht, höre ich vorzeitig auf“ erklärte mir ein Kollege von einer Hochschulgruppe. Es sind letztendlich nur die Freunde, die einen im Geschäft halten. Wenn man nur auf die innerparteilichen Feinde hört könnte man auch gleich die Amtszeiten auf 2 Monate heruntersetzen.

Und selbst das ist Optimismus.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s