Oh je, Sportstudenten an der Uni Passau

An meiner Universität, der Uni Passau, findet gerade das CampusFest statt. Teil des Programmes ist u.a. auch das „Fensterln“, bei dem Männer irgendetwas machen müssen, um eine Frau zu „gewinnen“. Das scheint bayerische Tradition zu sein und Tradition ist prinzipiell in Ordnung.

Was aber nicht in Ordnung ist, ist Sexismus. Und die Gleichstellungsbeauftragte der Uni Passau Frau Dr. Krell, hält das für ebendas. Bei Feminismus geht es nämlich genau um den Kern des Problems: dass ein Staat, eine öffentliche Institution oder ein Träger öffentlicher Gewalt besser sein muss als das Individuum. Und dass genau das dringend nötig ist, sieht man an den unfassbaren und untragbaren Reaktionen: nicht nur, dass Feminismus grundsätzlich infrage gestellt wird, auch Einzelpersonen werden in sozialen Netzwerken beleidigt und wegen ihrer Meinung degradiert. Die Betreiber der Seite scheint das wenig zu kümmern, auch, wenn das Event mittlerweile von der NPD instrumentalisiert wird.

Es geht schon lange nicht mehr darum, was Tradition darf und was nicht. Es geht um viel grundsätzlicheres. Wie geht man mit Kritik und modernen Maßstäben um? Feminismus hat nichts mit „verqueren Meinungen“ zu tun sondern ist ein dringend notwendiger Teil der modernen Entwicklung, die einige Männer aber in ihrer Existenz zu bedrohen scheint. Dass das an Stammtischen parodiert oder auf AfD-Parteitagen ins Mikro gegrölt wird – völlig egal. Aber dass Studierende die Bedenken einer Verwaltungsstelle als Anstoß benötigen, ihren Meinungen Luft zu gebieten ist bedenklich.

Denn wer das nicht zu respektieren weiß hat nichts in einer Kommentarleiste zu suchen – geschweige denn an einer Universität.

EDIT: Mittlerweile ist bekannt, dass die Gleichstellungsbeauftragte die Veranstaltung weder „abgesagt“ noch „verboten“ hat. Es sollten lediglich auch Frauen teilnehmen dürfen und nicht als Objekt dargestellt werden. kommentare npd

Globale Ungleichheit und wie sie die Volkswirtschaft erklärt

Volkswirtschaftliche Ungleichheit ist Gegenstand von weltpolitischen Entscheidungen, Theorien und weitreichenden Protesten geworden. Wissenschaftlich beschäftigt diese Disparität Wissenschaftler und ist spätestens seit Jared Diamond’s „Guns, Germs and Steel“ auch in den Vorlesungen in Universitäten angekommen.

Die heutige Unterscheidung konzentriert sich auf drei wesentliche Ansätze, denen hier Bedeutung geschenkt werden soll, die ich aber nicht bewerten möchte:

  1. Die geografische Hypothese.
    Demnach beeinflusst das Klima die Arbeitsproduktiität und hat EInfluss auf Gesundheit und die Produktivität des primären Sektors. Die Diffusion von Technlogien hängt indes mit der Nähe und dem Ausbau von Transportwegen zusammen. Den Einsatz von natürlichen Ressourcen ist ausschließlich beeinflusst vom Management.

  2. Die Hypothese der Institutionen
    Diese Hypothese geht auf den Kolonialismus der europäischen Mächte (im wesentlichen Frankreich und Großbrittannien) zurück. Demnach haben diese Mächte verschiedene Policies an den Tag gelegt, was Einfluss auf deren spätere Entwicklung hatte: kolonisierte Länder förderten eine freundliche Umwelt für private Firmenentwicklung, nicht-kolonisierte Länder förderten dies nicht, was zu einem Gründunsunfreundlichem Klima führte. Relevant ist in diesem Zusammenhang ein weiterer Institutionenbegriff, welcher Eigentumsrechte ebenso einschließt wie Korruption. Ein Einfluss der geografischen Lage wird dabei nicht verneint, diesem wird aber nur eine historische Erklärung in Einkommensdifferenzen zugemessen.

  3. Die Policy-Hypothese
    Diese Hypothese ist die einzige, weche sich ausschließlich auf aktuelle Entwicklungen stützt. Demnach sind Handelspolitik, liberale Märkte, Makroökonomische Stabilität und der Investitionsrahmen ausschlaggebend für den Wohlstand eines Landes und können vergangene Entwicklungen leicht umkehren.

Arbeitslos durch Internet

In der Online-Ausgabe der „Werben und Verkaufen“ erschien am 14.10. ein Review zur Philosophiesendung „Precht“ mit Richard David Precht und Sascha Lobo, in welcher die beiden über die Gefahren des Internets diskutierten und dabei erstaunliches feststellten:

„Prechts Thesen zur Sendung: Traditionelle Dienstleistungsbereiche befinden sich auf dem Rückzug. Digitale Sensoren am Handgelenk ersetzen den Hausarzt, Posts in sozialen Netzwerken wird heute mehr vertraut als der Beratung durch den Fachverkäufer, Flüge und Hotels buchen wir nicht mehr im Reisebüro, sondern im Internet, und ein Computerprogramm ersetzt den Steuerberater. Amateure statt Profis, „hire and fire“ statt Festanstellung, Schwarmintelligenz statt Fachkräfte: Die Zukunft der Arbeitswelt, so diagnostizieren Kritiker, werde aus einer Art digitalen Klassengesellschaft bestehen. Einige wenige beherrschten und bestückten die Computer, während die Mehrheit dem folge, was die Rechner ihnen vorschreiben.“

Die Botschaft ist also eindeutig: durch das Internet verlieren Menschen Arbeit, traditionelle Berufszweige sterben ab und die Gefahren sind unüberschaubar.

Das alles klingt in seiner Blase relativ logisch. Viele JournalistInnen sitzen auf der Straße, weil sich die Redaktion keinen Newsroom leisten kann und die Absatzzahlen sinken. Wenn Menschen arbeitslos werden ist das natürlich furchtbar. Aber ist es auch Anlass, eine ganze Kultur infrage zu stellen?

Dieses Blog steht online, wer das liest hat also einen ganz natürlichen Bezug zum Internet. Ich könnte es mir nicht leisten, alle meine Gedanken auf ein Stück Papier zu schreiben und es jeder und jedem meiner LeserInnen zu schicken, zumal das auch ziemlich sinnlos wäre, so besonders ist das nun auch wieder nicht.

Es besteht ein großes Missverständnis, was das ganze mühsam aufgebaute Kartenhaus in sich zusammenstürzen lässt. Das Internet ersetzt nichts, es ergänzt nur. Umbrüche stoßen immer auf Widerstand, das war beim Buchdruck so, bei der industriellen Revolution und bei der Erfindung des Autos. Jede Art von Neuerung macht denjenigen, die die Potentiale nicht erkennen, Angst. Es sind die, die am Ende Vergleiche anstellen mit der früheren Zeit und so alles neue infrage stellen. Die Frage, die sich Precht und all die anderen stellen ist also falsch. Eigentlich sollten wir längst über das „was ist im Vergleich zu früher neu?“ heraus sein und darüber nachdenken: „wie gehen wir damit um?“ Aufhalten kann man die digitalisierung eh nicht mehr. Trotzdem benötigt es in allem, was wir in der Hosentasche und am Armband tragen einen Faktor, den es mit einem anderen Sinn auszufüllen gilt: den des Menschen. Ohne Expertise, Didaktik, Wissenschaft bleibt es dabei, dass das Gros den Umbruch als negativ begreift, weil es im Vergleich zu früher einen Bezugspunkt wahrnimmt, den Universitäten und Schulen nicht lehren. Wenn der wesentliche Ansatzpunkt zur Meisterung der „digitalen Revolution“ also bleibt, in Unis einen Kurs zum Umgang mit SPSS und Powerpoint anzubieten wird sich der Gedanke der Trennung von „Internet“ und „realem Leben“ weiter durchsetzen. Wenn jede Art von digitalem Einfluss erst auf Skepsis und dann auf Ignoranz trifft werden sich noch viele Prechts an der Frage die Zähen ausbeißen.

„Doch was kann man dagegen tun?“, so die Fragestellung der nächsten „Precht“-Sendung – die auch darüber nachdenken will: „Fallen die Prognosen zur Zukunft unserer Arbeit zu düster aus?“

Definitiv. Denn eigentlich ist alles auf einem ziemlich guten Weg.

Es wäre dann mal an der Zeit.

#include <stdio.h>

int main(void)

{

puts(„Hallo Welt!“);

return 0;

}

 

So einfach kann das sein. Findest Du nicht? Wundert mich kaum. Informatik und Programmiersprache ist für viele noch ein Buch mit sieben Siegeln oder, noch schlimmer, als Nerdig und uncool angesehen. Irgendwie paradox ist es ja schon, Firmen klagen über Fachkräftemangel im IT-Bereich und jeder, wirklich jeder nutzt einen PC oder ein Smartphone oder googelt zumindest ab und zu etwas, ohne wirklich zu verstehen, wie das eigentlich funktioniert. Ich bin nie in den Genuss von Informatikunterricht gekommen und habe mir alles, was ich heute weiß, mühsam selbst beigebracht. Allzu schlecht ist das nicht, nur ginge es auch deutlich einfacher. Informatik darf nicht als das exklusiv denjenigen vorbehaltene Fach sein, die später mal Dienstleister für die Mehrheit werden, die elementaren Grundlagen sollte jeder in der Lage sein, zu verstehen. Darum muss es Informatikunterricht schon in der Schule gehen, ein weiterer Schritt wäre es, die Hochschulen besser mit Lehrstühlen auszustatten, um die Menschen auch aufnehmen zu können, die es studieren wollen – ein zulassungsfreier Zugang wäre dabei beispielsweise auch ein Weg. Aber um das zu erreichen benötigt es noch die Sensibilität der Menschen für das Thema, und dafür braucht es Initiativen wie die des Ranga Yogeshwar, Fraunhofer Insitutes und einigen anderen PartnerInnen: http://jeder-kann-programmieren.de/.

 

Das Netflix-Paradoxon

Ich liebe Netflix. House of Cards halte ich mit für das beste, was es seit langem im Fernsehen gab und ohne meinen Account dort hätte ich auch niemals „Orange is the new black“ gefunden. Also dafür schonmal danke.

Auf der anderen Seite ist Netflix ein riesiger Akteur in der Medien- und Kommunikationspolitik der Vereinigten Staaten. Das hat zur Folge, dass nicht nur das Wort von Google, Facebook und Twitter ins Gewicht fallen, sondern auch eben das von Netflix. Der Grund ist einfach: Netflix hat extrem viele BenutzerInnen, was einen großen Traffic an Daten zur Folge hat. So weit, so gut.

In den USA wurde der FCC, Federal Communications Commission, durch die übliche Lobbyarbeit der Telcos die grandiose Idee gegeben, schnellere Verbindungen für mehr Geld einzurichten, also quasi der Drossel-Plan der Telekom in andersherum: Telcos wie Time Warner oder Comcast wollten mehr Geld für schnellere Verbindungen. Dagegen liefen Netflix und Konsorten Sturm, weil sie eine finanzielle Mehrbelastung fürchteten. Die FCC schwächte daraufhin die Pläne ab.

Das wiederum ist ein wenig bigott von Netflix, wenn man sich die sonstige Policy der Firma ansieht. Zum selben Zeitpunkt machten sie nämlich einen Deal mit Comcast, der die Netzneutralität in kaum geahntem Ausmaß gefährdet: für mehr Geld sollte es eine schnellere Vebindung geben, allerdings ausschließlich zu Netflix (die TAZ berichtete).

Dieses einfache Beispiel zeigt: wir bewegen uns in Bereichen der Netzneutralität auf einem schmalen Grat. Es wird immer schwieriger, sich den Unternehmen nicht zu beugen, die das Internet zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft machen wollen. Und obwohl Netflix sich einen netten Anstrich gibt gilt doch das einfache Zitat aus der Entdeckung Orange is the new black:

No. This year I’m lovin‘ someone who deserves me. Me.

Sach mal, Generalbundesanwalt.

Besser könnte das Timing ja kaum sein. Kaum heißt es von Seiten von Harald Range, keine Ermittlungen wegen der NSA-Affäre zu eröffnen, kommt der nächste Knaller ans Licht. Ich erinnere mich noch grob aus meinen Jura-Zeiten, dass ein Anfangsverdacht genügt, um Ermittlungen zu begründen, dafür ist der Generalbundesanwalt aber Jurist und ich nicht, um das im Sinne einer Verteidigung der Interessen der Bundesrepublik begründen zu können. Heute morgen durfte ich in der New York Times dann folgende Meldung lesen:

The spy agency’s reliance on facial recognition technology has grown significantly over the last four years as the agency has turned to new software to exploit the flood of images included in emails, text messages, social media, videoconferences and other communications, the N.S.A. documents reveal. Agency officials believe that technological advances could revolutionize the way that the N.S.A. finds intelligence targets around the world, the documents show. The agency’s ambitions for this highly sensitive ability and the scale of its effort have not previously been disclosed.

Quelle: http://www.nytimes.com/2014/06/01/us/nsa-collecting-millions-of-faces-from-web-images.html?_r=0

Die NSA probt also fleißig, um ihre Gesichtserkennungssoftware zu optimieren und Menschen auch abseits von Veränderungen zu erkennen. Das tut sie etwa nicht mit eigenen Bildern, sondern mit solchen aus sozialen Netzwerken und anderen Quellen aus dem Internet. Dass das rechtlich auf etwas wackeligen Beinen steht dürfte auch noch dem letzten klar geworden sein. Und dass so etwas keine Ermittlungen hervorruft mag rechtlich zwar begründbar sein, moralisch aber nicht. Einmal mehr zeigt das: die digitale Revolution hat eine Kodifizierung bzw. Modifizierung der Rechtsverständnisse versäumt. Es wäre dringend an der Zeit, so etwas wie eine internationale digitale Charta einzurichten, bevor es vollends zu spät ist. Vielleicht erleichtert das Herrn Range dann auch etwas seinen Job.

Wie verwende ich eine Wahlkampf-Landingpage? 10 einfache Tipps.

Ich arbeite für eine Agentur für strategische Kommunikation. Über die Jahre haben wir einige Wahlkämpfe begleitet und mussten immer wieder feststellen, dass es zwar ein corporate blog, eine Landingpage oder einen öffentlichkeitsbeschränkten Bereich gibt, die Wahlkämpfenden oder die Kandidierenden diese Möglichkeit aber nicht richtig nutzen. Mal davon abgesehen, dass ich keinen Wahlkampf für die CDU mache und auch nie machen würde wäre http://www.andrea-milz.de ’s Homepage eine Stilblüte, wie man eine CI so richtig schön versauen kann.

Darum sind hier 10 einfache Tipps, wie man es richtig macht:
1. Filtern
Nur die Inhalte heraussuchen, die für einen selbst auch relevant sind. Wenn ich eine Facebook-Seite habe brauche ich keine Anleitung zum Bau einer solchen. Das spart euch Zeit und den Verantwortlichen Traffic. Auch brauche ich mir kein Design zur Landtagswahl herunterladen, wenn ich für die Europawahl werben möchte.
2. Sich auf Standards einlassen
Im Wahlkampf steht immer ein Pool an Designs zur Verfügung, an die man sich einfach zu halten hat, ganz egal, ob man ihn hübsch findet oder nicht. Denn Gift für einen Wahlkampf ist es, wenn man nicht einheitlich auftritt, das fängt bei den Themen an und hört nun mal beim Design auf. Darum: ladet euch die Schriften runter, die sind meistens auf Google Fonts ziemlich problemlos zu haben. Sucht euch die Farben heraus – und bleibt dabei. Haltet die Pixel-Maße ein, das ist via Gimp einfach und via Photoshop noch viel einfacher. (Tipp: den sehr alten, aber trotzdem hübschen Adobe Photoshop CS2 will Adobe offensichtlich loswerden und bietet ihn kostenlos in der Vollversion an)
3. RGB kennenlernen
RGB (Rot / Grün / Blau) ist der einfachste aller Farbräume, mit dem man jede Farbe darstellen kann. In jeder CI wird in diesem Schema (z.B. das SPD für Europa-Blau hat R 10, G 104, B 191) die verwendete Farbe angeboten. Benutzt das. Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob das richtig ist hat Adobe das Freeware-Tool Kuler auf dem Markt, mit dem man jede Farbe analysieren kann.
4. Up to Date bleiben
Wahlkampf ist Strategie par excellence. Darum werden nicht an Tag 1 alle Inhalte online stehen, die Partei stellt das nach und nach auf die Homepage. Darum gelegentlich mal nachsehen, ob es was neues gibt, Newsletter nicht gleich löschen sondern sich fünf Minuten Zeit nehmen und durchlesen und, wenn es geht, sich einen RSS-Feed einrichten (bei Firefox geht das so) oder das Blog abonnieren.
5. Transformieren
Alles, was die Partei anbietet, sind allgemeine Inhaltspakete, die für das ganze Land Geltung haben. Das zu benutzen ist gut, so richtig professionell wird es dann, wenn man diese allgemeinen Inhalte lokal anwendet. Wenn also die SPD einen Agumentationsfaden „Mieten sind zu hoch“ online stellt ist es gut, sich die CI zu schnappen und eine Kachel „In Botnang kann sich eine Dreiköpfige Familie die Wohnung nicht mehr leisten“ zu bauen.
6. Rechte wahren
Was auf der Landingpage steht könnt ihr verwenden und müsst nicht angeben, dass Urheber die SPD ist, wenn ihr Kandidierende seid oder in irgendeinem SPD-Zusammenhang zur Wahl steht. Dafür haben die Verantwortlichen gesorgt. Wenn ihr aber andere Materialien verwendet, achtet auf die Urheberrechte. Indiz ist dafür die Verwendung der CC (Creative Commons)-Lizenz, die z.B. Wikipedia oder in Teilen Flickr benutzt. Hier in diesem Blog gibt es dazu aber auch ein Tutorial. Grundsätzlich gilt: im Zweifel das Bild nicht verwenden! Spart euch und der Partei viel juristischen Stress.
7. Vertrauen
„Das ist doch Quark, das kann ich alleine besser“ sagt man beim Wahlkampf gerne, richtig? Falsch. Hinter einer jeden Kampagne stecken Profis, die was von ihrem Geschäft verstehen und sich eine Strategie überlegt haben. Wenn jetzt jeder etwas anderes macht ist diese Strategie hinfällig. Also: auch wenn es auf den ersten Blick unsinnig erscheint, einfach mal umsetzen. Das spart euch Arbeit und bringt einen fantastischen Wahlkampf. Denn die Macher und die Umsetzer eint: wir wollen, dass die Partei die Wahl gewinnt. Wir arbeiten beide extrem hart dafür, machen Nächte durch und lassen uns von BürgerInnen auf der Straße blöd anmachen. Darum ist Vertrauen so wichtig. Wenn wir vereint dastehen bieten wir wenig Angriffsfläche. Das gilt inhaltlich und personell, aber auch für das Wahlkampfdesign.
8. Zeiten beachten
Oft haben Inhalte eine zeitliche Beschränkung, es gibt also Themenwochen, in denen der Fokus auf einem bestimmten Punkt liegt. Die darf man natürlich nicht verschlafen, wenn die Partei schon so nett ist, und das vorher ankündigt. Oft steht irgendwo ein Ablaufplan oder ein Kalender. Sucht euch den raus und kringelt das rot in eurem Kalender an.
9. Kritisieren
Niemand ist perfekt (außer Frank Stauss‘ Kampagnen). Wenn euch also etwas auffällt, was man besser machen könnte, sagt den Verantwortlichen das. Was gilt ist: ‚In dem Textelement ist ein Fehler, die Mieten steigen eigentlich um 60% und nicht um 6%‘. Was nicht gilt: ‚Das Blau ist hässlich‘.
10. Das Zeug auch umsetzen
Bitte, wäre nett.

CCrasse Sache: Bilder für umsonst?

Oft gelesen, selten erklärt: die Creative Commons Lizenz ist eine geniale Erfindung zur öffnenden Legalisierung geistigen Eigentums. Doch was darf man nutzen, was nicht? Und was muss man beachten?

Falsch kann man vieles machen. Es beginnt damit, dass man die Lizenz nicht richtig beachtet, gegen falsch benannte Lizenzen gab es im Jahr einige Klagen, die erfolgreich waren. Oder man stellt von Urheberseite die Lizenz falsch ein, wovor spätestens dieser Fall warnen sollte. Creative Commons sind kein Freifahrtschein. Wenn man ein Bild, das man nicht selbst gemacht hat, veröffentlicht, muss klar sein, dass andere Rechteinhaber Ansprüche gegen einen haben. 2001 in Harvard initiiert wurden die ersten Lizenzen veröffentlicht, unter welchen Urheber Inhalte veröffentlichen können. Alle gängigen Lizenzen sind in Deutschland in bestimmten Formen seit 2004 legitimiert und richterlich bestätigt.

Eine Creative Commons-Lizenz setzt sich aus  mehreren Bestandteilen zusammen. Das „CC“ zu Beginn einer jeden weist sie als Lizenz aus, was danach folgt beschreibt, was man als User beachten muss:

Lizenzname Das darf man Das muss man
BY Das Bild bearbeiten und teilen Den Urheber nennen, die Lizenz benennen und die Änderungen kennzeichnen.
BY-SA Das Bild bearbeiten und teilen Alle Erfordernisse der BY-Lizenz sowie: Wenn man das Bild bearbeitet hat muss man es unter derselben Lizenz veröffentlichen.
BY-ND Das Bild teilen BY-Lizenz + Man darf das Bild bearbeiten, dieses dann aber nicht veröffentlichen.
BY-NC Das Bild teilen und bearbeiten BY-Lizenz + Man darf das Bild nicht für kommerzielle Zwecke nutzen.
BY-NC-SA Das Bild teilen und bearbeiten Kombination aus BY, NC und SA-Lizenz: man darf das Bild nicht verkaufen und auch nicht unter einer anderen Lizenz als dieser weitergeben.
BY-NC-ND Das Bild teilen Das Bild nicht bearbeiten, nicht kommerziell nutzen und den Namen des Urhebers nennen.
CC0 Alles Nichts

Ergo setzt sich eine Lizenz aus folgenden Teilen zusammen: BY (Urheber), No Derivatives (keine Veränderung), Share Alike (Weitergabe unter denselben Bedingungen) und Non Commercial (keine kommerzielle Nutzung).

Was man noch beachten muss sind die Definitionen:

Bearbeiten bedeutet: remixen, ändern und in sonstiger Weise direkt darauf aufbauen. Eine reine Formatänderung gilt gemeinhin nicht als Bearbeitung.

Kommerziell bedeutet: der Nutzer zielt primär auf eine Vergütung oder andere kommerzielle Vorteile ab

Namensnennung bedeutet: man muss adäquat auf den Urheber hinweisen. „Foto von Flickr“ reicht also nicht und genausowenig „Foto von Adrian Malzer“ in Schriftgröße 0.5, richtig wäre: „Foto: Adrian Malzer, PalmerMalzer, Flickr, CC-BY-SA 3.0 DE“

Die Zahl hinter der Lizenz bedeutet im übrigen die aktuell gültige Lizenz (immer: 3.0) in der Bundesrepublik (= DE), die muss man ebenfalls nennen.

Alle Informationen, auch die Langfassung der Lizenzen, findet man hier: http://creativecommons.org.

Alle hier genannten Informationen sind in keiner Weise rechtlich bindend oder ersetzen im Zweifelsfall einen anwaltlichen Rat sondern spiegeln ausschließlich meine privaten Erfahrungen wider.

Den Text weise ich übrigens unter BY-NC-ND 3.0 DE aus.

Meine Güte, BR.

Liebes Bayerische Ferneshen.

Ich mag öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten und ich mag das Programm. Viel müsst ihr einstecken – zu teuer, zu schlecht. Wenn man aber mal bedenkt, was du, BR, stellvertretend für diese Sender, für politische Bildung, Kultur und Wissenschaft leistest halte ich das für Erbsenzählerei. Ohne euch sähe es ziemlich düster aus in der deutschen Medienlandschaft.

Warum also dieser Titel?

In meinem Auto habe ich ein Radio, sonst höre ich vielleicht mal DasDing, die CampusCrew oder Los40 im Webstream weil ich halt in Bayern wohne, sonst aber nichts. Autoradio also. Auf der „4“ liegt dabei BR Klassik, was ein fantastischer Sender für Kultur ist, ich stehe irgendwie auf Jazz und manchmal möchte ich während einer langen Fahrt einfach mal klassische Musik hören. Ich mag den Sender deshalb, weil ich mir dort nicht die Best-Of-Filmmusik-Compilation oder schlecht abgemischte Klassik wie bei KlassikRadio anhören muss.
Sondern einfach vernünftige klassische Musik.
Auf der anderen Seite steht jetzt ein Radikalumbau bei euch. Billiger soll alles werden und online gleich dazu, weil wir jungen, hippen Menschen doch eh alles im Web erledigen. Einkaufen, arbeiten, warum nicht auch Musik hören. Und außerdem, hey, von den 260.000 HörerInnen von BR-Klassik hat doch eh jedeR einen PC oder zumindest ein Digitalradio oder zumindest Internet.

Finde den Fehler.

Dass es aber zum essentiellen Bildungsauftrag eines jeden öffentlich-rechtlichen Senders dazugehört, ein breites Angebot auf allen Kanälen zu bieten, vergesst ihr. Von den 260.000 HörerInnen ist mit Sicherheit nur ein Bruchteil in der Lage, Radio übers Internet zu hören, das hat was mit dem demografischen Wandel zu tun aber in erster Linie mit Interesse. Klar müsst ihr sparen, das dann aber dort anzufangen, wo das Interesse der Menschen liegt halte ich für fehl am Platze. Euch zeichnet es aus, dass ihr ein fantastisches kulturelles Angebot habt, Konzertübertragungen im TV und Stream, echte Kultur im Radio. Diesen Bereich dann zugunsten eines dritten Popsenders, puls. (der ironischerweise gerade online ganz hervorragend läuft), wegzustreichen zeugt nicht gerade davon, ein Ohr an der Gesellschaft zu haben.

Nochmal: ich halte euch, den BR und die ganze ÖffR Rundfunklandschaft, für bewahrenswert und im Kern eine gute Sache. Nur über die konkrete Umgestaltung sollten wir nochmal reden.

(So ähnlich sehen das übrigens, Stand jetzt, auch 12.300 Menschen, die diese Petition unterzeichnet haben: https://www.openpetition.de/petition/online/br-klassik-muss-bleiben.)

 

 

 

Gestern war Equal Pay Day und ich Trottel habe das Bild geteilt.

EPD_1.3 Kopie

Das ist es also, das Corpus Delicti. Was fällt diesen Jusos Baden-Württemberg ein, so etwas zu veröffentlichen? Wo doch eigentlich alles gut ist in unserer Gesellschaft, keine Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen gelten, der Feminismus komplett abgeschlossen ist und niemand mehr wegen seines Geschlechts diskriminiert wird (absolut niemand!).

So zumindest konnte ich aus den Kommentaren unter dem Bild lesen – ein kurzes best-of:

J1 j2

Gleiche Arbeit, gleicher Lohn? Eigentlich muss das selbstverständlich sein. Das sagen Frauen und Männer in Deutschland gleichermaßen. Und doch gibt es weiterhin eine Lohnlücke. Sie liegt in Deutschland bei etwa 22 Prozent – das ist weit mehr als in den meisten anderen Industrieländern.

Christine Lüders ist eine faszinierende Frau. Die Frau mit dem abschreckenden Titel wird sie manchmal genannt, sie ist studierte Pädagogin und hat bei der Lufthansa gearbeitet. Das Zitat oben ist von ihr, Frau Lüders ist Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (und wenn irgendwer Ahnung davon hat, dann doch wohl sie). Die 22% bestehen über die komplette Gesellschaft, also Berufe mit inbegriffen, in denen Frauen so gut wie nicht vorkommen. Dass diese Statistik ein wenig irreführend ist, sehe ich ein. Trotzdem bin ich nicht so blind und verschließe meine Augen vor der Realität: bereinigt liegt die Gender Wage Gap bei 7%. Allgemein wird statistisch in 18 Berufsgruppierungen unterteilt, in denen ein Unterschied sehr genau bemessen werden kann. Darunter wird gemessen, wie viele Frauen und Männer in einer Berufsgruppe vorkommen, was man als horizontale Geschlechtersegregation versteht (und jetzt, Zweifler, nicht aufhören zu lesen, jetzt wird’s interessant).

1)      Beispiel 1: Grundstücks- und Wohnungswesen: In Deutschland liegt hier der Frauenanteil bei 51,4%, in der EU nur bei 49,2%. Insofern ist das eine relativ ausgeglichene Branche, Frauen haben dieselben Chancen, einen Job zu bekommen, wie Männer. Trotzdem bekommen Frauen 20,5% weniger Lohn als Männer in vergleichbaren Positionen. Zufall?

2)      Nein. Ein extremeres Beispiel, Gesundheit- und Sozialwesen. Nur 33% der Männer haben Lust, sich als Pfleger die Hände schmutzig zu machen, trotzdem verdienen sie 24,6% mehr.

Das, liebe Leute, sind Fakten, die keine Süddeutsche Zeitung der Welt schönreden kann. Was das für Folgen hat, sieht man aktuell bei der Geschlechterspezifischen Betrachtung der Altersarmut: 30% mehr Frauen sind davon betroffen als ihre männlichen Kollegen. Und das habe ich mir auch nicht selbst ausgedacht, das sagt die Hans-Böckler-Stiftung. Wenn man sich den Forderungskatalog von Frau Lüders durchliest klingt das ein wenig so, wie das, was sich Frank Bsirske immer auf seinen Weihnachtswunschzettel schreibt (was deswegen witzig ist, weil Christine Lüders immer ein bisschen Nähe zur Union nachgesagt wird). „Entgeltungleichheit kann sich Deutschland auch im Hinblick auf den Demografischen Wandel und den kommenden Fachkräftemangel nicht länger leisten. Sie schadet auch der Wirtschaft.“

Was gesellschaftliche Realität ist, ist also nicht in den Köpfen der Menschen angekommen, wir bewegen uns da in einer Zone, von der mir eigentlich immer suggeriert wurde, dass sie längst Passé sei.

Wer also behauptet, die Jusos Baden-Württemberg seien Populisten, die sich die Zahlen so hindrehen, dass die Leute sie gut finden oder sogar behaupten, eine Ungleichbehandlung gäbe es so gar nicht ist entweder unfähig, sich mal ordentliche Statistiken zu googeln oder einfach nicht in der Lage, diese zu verstehen.

Bemerkenswert eigentlich, dass alle negativen Kommentare von Männern kommen.

 

Quellen:
http://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/publikationen/Faktensammlung_Entgeltungleichheit.pdf?__blob=publicationFile
http://www.igmetall.de/SID-6BB488CD-A58CFC84/altersarmut-von-frauen-10811.htm